Liebe, Lust und Lustverlust

Veröffentlicht: Dienstag, 17. August 2010 Geschrieben von Detlef Lang

Kabarett im Kulturbahnhof mit Lioba Albus: Zwei Stunden ein Pointe nach der anderen

Liebe, Lust und Lustverlust
Frau mit vielen Gesichtern: Lioba Albus als Mann. Foto: Porath

USLAR. Mit sauerländischem Zungenschlag, rollendem "R" und viel Temperament überraschte das One-Woman-Kabarett Lioba Albus alias Mia Mittelkötter die Gäste des Literatur- und Kunstkreises Uslar beim Auftritt im Kulturbahnhof. Wer sich unter dem Programm "Mit heißem Herzen – über Liebe, Lust und Lustverlust" der aus Funk und Fernsehen bekannten Kabarettistin einen heiter romantischen Abend versprochen hatte, erlebte eine Show nach dem Motto Sex, Drogen, Rock’n’Roll und Politik.

Bei Lioba Albus alter Ego Mia Mittelkötter geht es zur Sache. Die Westfälin im reifen Alter mit der Margaret-"Tättscher"-Frisur gehört zu den Frauen, die dem Leben ins Gesicht blicken und unter die Gürtellinie. Mit scharfer Zunge vergleicht sie die eigene Jugend, als man noch "miteinander ging", mit der heutigen, die "sofort miteinander liegt".

Ihre Beschreibung des Kleidungsstils – "Alles, was an Fleisch nicht in die Hose passt, wird unverbindlich über den Gürtel gelegt. Daher der Ausdruck Gammelfleisch" – der Haltung und Verhaltensweisen kommt an beim Publikum, das die Pointen mit Lachen und zustimmendem Nicken belohnt. Mia Mittelkötter steht zu ihrer katholisch-sauerländischen Herkunft, die ganz klar regelt, wie Ehen entstehen: "Hasse drangepackt, musse nehmen."

Erbsünde abarbeiten

Reduziert Albus die Liebe in ihrem Programm oft genug auf Fleischeslust, was sie gut katholisch als "die Erbsünde abarbeiten" bezeichnet, wird es fast romantisch und auf jeden Fall praktisch, wenn sie beschreibt, warum Frau sich einen Mann angeln sollte, dessen Vorzüge rein äußerlich nicht zu sehen sind: Der mähe wenigstens nicht auf Nachbars Wiese.

Nicht nur die Männer bekommen ihr Fett weg, auch die Frauen sollten an diesem Abend über sich lachen können. Frauen lieben Krisen, stellt sie etwa fest. Wie Trüffelschweine würden sie diese finden, auch wenn keine da sei oder noch "30 Meter unter der Erde" liege.

Albus spielt an diesem Abend gleich mehrere Rollen, betrachtet ihr Thema von verschiedenen Seiten. Ob als bester Freund, der dem Kumpel zum 50. gesteht, dass seine Ehe nur funktioniert, weil seine Frau ihn betrügt, als Mia Mittelkötter, die über die Vorteile einer dauerhaften Ehe räsoniert, oder als nach männlicher Abwechslung dürstender Vamp mit Blume im Haar und Plateau-Sandalen.

Zwei Stunden feuert sie fast ohne Punkt und Komma eine Pointe nach der anderen ab, landet mal unter der Gürtellinie, mal darüber und zeigt dabei doch feinsinnigen Humor. Das Publikum im mit 120 Plätzen voll besetzten Kulturbahnhof dankt es ihr mit langem Applaus. "Ich bin wie Fußpilz, ich komme wieder", heißen Albus Abschiedsworte, die alle gerne hören. (yp)

Von Gudrun Porath

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 17. August 2010

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