Vampire im Hospiz

Veröffentlicht: Donnerstag, 23. April 2015 Geschrieben von Detlef Lang

Komödie über das Sterben im Gasthaus Johanning begeisterte das Publikum

Vampire im Hospiz
Spätzünder: Die Berliner Theatergruppe begeisterte mit ihrem Stück über das Sterben auch beim Gastspiel in Eschershausen im Gasthaus Johanning. Foto: nh

ESCHERSHAUSEN. 16 junge und alte Laiendarsteller, letztere nennen sich die "Spätzünder" des Theaters der Erfahrungen aus Berlin, haben mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern des Hospizes Schöneberg-Steglitz das preisgekrönte Theaterstück "Bertha, stirb endlich!" geschrieben und im Solling drei Mal aufgeführt.

In der Regie der Theaterwissenschaftlerin Eva Bittner und Stefan Schütz, unterstützt von Stephan Rumphorst, der die Kostüme und das Bühnenbild entwarf, entstand ein Stück über das Sterben, das gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken ermuntert und dem oft verdrängten Thema "Tod und Sterben" den Schrecken nimmt.

Es geht um den 564 Jahre alten Vampir Bertha, der sterben möchte, es aber noch nicht kann, und der deshalb von seinem Clan, der mit Sterblichkeit nicht umgehen kann, in ein Hospiz geschickt wird. Dort begegnet er vielen Menschen, die sterben müssen, es aber noch nicht wollen, weil sie noch so viel erleben möchten.

Sterben gehört zum Leben

Im Miteinander erfahren beide Seiten, dass Sterben gar nicht so schlimm ist, weil es zum Leben dazugehört. Wichtig allein ist es, wie man sein Leben gestaltet. Dann ist es leicht, dem Tod die Hand zu reichen, wie die Fahrt mit dem Fährmann in den Tod in einer pantomimischen Szene eindrucksvoll zeigt.

Auch das Lachen über lustige Totengräber und Trauerpräsenfrauen kommt nicht zu kurz. Gut in Szene setzen sich auch die Vampire auf Burg Schreckenstein. Sie verkörpern Typen und Originale, wie wir sie auch unter uns Menschen vorfinden. Sie sind sexbesessen, streitsüchtig, ordinär, elitär, eitel, dem Alkohol zugeneigt, oder auch mit deutlichen Zeichen einer fortschreitenden Demenz bei einem Vampir nach 770 Jahren. Das Publikum quittierte das mit herzlichem Gelächter und viel Beifall.

Die Veranstaltung, vom Literatur- und Kunstkreis Uslar, der Hardegser Kulturinitiative und der evangelischen. Kirchengemeinde Einbeck organisiert, war nicht nur sehr gut besucht, sondern auch ein großer Erfolg beim Publikum, was sich mit langem und herzlichem Beifall bedankte.

Zwischen 39 und 83 Jahren

Das Berliner Theater der Erfahrungen mit Darstellerinnen und Darstellern von 39 bis 83 Jahren ließ keineswegs vermuten, dass es sich um Laiendarsteller handelt. Mit großer Spielfreude, die sich auf das Publikum übertrug, präsentierten sie das Spiel um den Tod.

Viele Förderer

Gefördert wurden die Aufführungen in Hardegsen, Uslar und Einbeck vom Landschaftsverband Südniedersachsen, vom Verein "Der Mantel", der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, dem Albert- Schweitzer-Familienwerk, der St.-Alberti-Stiftung der evangelischen Kirche Einbeck und von der Bundestagsabgeordneten Gabriele Lösekrug-Möller (SPD/Hameln). (nh)

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 23. April 2015

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