Blick durchs Schlüsselloch

Veröffentlicht: Donnerstag, 17. August 2017 Geschrieben von Detlef Lang

Publikum begeistert von der Aufführung des Berliners Ensembles Spätzünder

„Schlaflos in Berlin – Spätzünder im Bett“: So hieß es auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises Uslar im Gasthaus Johanning. Die Pyjama-Party auf der Bühne begeisterte das Publikum. Foto: Porath
„Schlaflos in Berlin – Spätzünder im Bett“: So hieß es auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises Uslar im Gasthaus Johanning. Die Pyjama-Party auf der Bühne begeisterte das Publikum. Foto: Porath

ESCHERSHAUSEN. Wer je der Ansicht war, dass nachts in den Betten der älteren Generation ab 60 Sendepause herrscht, hat die Pyjama-Party der Theatergruppe Spätzünder aus Berlin nicht erlebt. Ort des Geschehens war der mit über 80 Zuschauern besetzte Saal des Gasthaus Johanning in Eschershausen.

Hannelore kann nicht schlafen. Einsam wälzt sie sich im Bett hin und her und startet eine Telefonkette. Schließlich stehen acht Frauen und zwei Herren auf der Bühne, die im Seidenpyjama und Négligé äußerst angezogen wirken. Alle haben ein gewisses Alter erreicht und sie machen aus ihren Herzen keine Mördergrube mehr.

Träume sind erlaubt

Was rund um das Thema Bett zu sagen ist, wird gesagt oder gesungen. Mit Musik und Wein bringen sie das Publikum und sich selbst auf Trab. Was etwa tun, wenn man 80 ist, Witwe, und das Bett so leer? „Na hopp hopp, ran an den Speck, wie lange willst du noch warten“, heißt es da in unverkennbarem Berliner Slang. Schnarcht der Kerl, fliegt er raus. Der Tipp: Geht mit einem guten Buch ins Bett, oder einem, der eins gelesen hat!

Umgedichtete Lieder

Heimliche Träume vom Fremdgehen sind erlaubt und werden in ein Lied verpackt: „Manchmal möchte ich schon mit ihm“. Viele bekannte Lieder werden einfach umgedichtet. Da wird aus Grönemeyers „Currywurst“ die „Kümmelwurst“, die Frau nachts im Kühlschrank sucht, wenn der werte Gatte schläft, und wo Andrea Berg klagte, „Du hast mich 1000 mal betrogen“, folgt das Klagelied einer Daunenbettdecke, die nach 1000 Mal tragen einfach gegen Mikrofaser ausgetauscht wird. Und eins ist klar: Krümel im Bett, das geht gar nicht.

Die Spätzünder machen an diesem frühen Abend die Nacht zum Tag. Als sie zum Abschluss von der puren Lust am Leben singen, singt das Publikum mit. Ohne je auch nur in die Nähe der Schlüpfrigkeit zu kommen, haben die Damen und Herren auf der Bühne einen weitreichenden Blick durchs Schlüsselloch gewagt und ihr Publikum begeistert.

Das war womöglich die heißeste Pyjama-Party, die das Gasthaus Johanning je erlebt Wiederhat. Für den Literatur- und Kunstkreis Uslar war es einmal mehr eine Werbung, er hatte die nach eigenen Angaben älteste Altentheatertruppe Deutschlands bereits zum zweiten Mal eingeladen.

Erstmals 2015 im Solling

Vor zwei Jahren hatte die Berliner Laienspiel-Seniorengruppe mit Hospiz-Mitarbeitern das Stück „Bertha, stirb’ endlich!“ aufgeführt und viel Applaus geerntet. (zyp)

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 17. August 2017

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