Immerwieder Szenenapplaus

Veröffentlicht: Dienstag, 21. Juni 2022 Geschrieben von Detlef Lang

Aufführungen der Seniorengruppe Spätzünder begeistern

VON HANS-PETER NIESEN

Die Spätzünder aus Berlin: „Eine Frau wird erst schön in der Küche!“ hieß das Stück, das die Gruppe in Hardegsen und Eschershausen aufführten. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Die Spätzünder aus Berlin: „Eine Frau wird erst schön in der Küche!“ hieß das Stück, das die Gruppe in Hardegsen und Eschershausen aufführten. FOTO: HANS-PETER NIESEN

Eschershausen/Hardegsen – Immer wieder gab es Lacher, Szenenapplaus und beim Auseinandergehen überall zufriedene Gesichter: Die Rede ist vom Gastspiel der Theatergruppe Spätzünder aus Berlin-Schöneberg, die sich in die Herzen der Zuschauer im Gasthaus Johanning in Eschershausen und im Muthaus in Hardegsen gespielt haben.

Das Besondere: Das Ensemble besteht aus Seniorinnen und Senioren im Alter zwischen 60 und 86 Jahren, aber vom „Alten Eisen“ war nichts zu spüren. Mit ihrer Vitalität und Ausstrahlungskraft nahm die vermutlich älteste Seniorentheatergruppe Deutschlands das Publikum durch ihre musikalisch-satirische Küchenrevue „Eine Frau wird erst schön in der Küche!“ Die Spätzünder gehen mit der Revue schon seit Jahren auf Tournee. Verschleißerscheinungen mag es an den Gelenken geben, nicht aber am Stück.

Dafür sorgt schon die geballte Lebenserfahrung, mit der die Schauspielerinnen und der einzige Mann auf der Bühne agieren. „Gestützt“ haben sie sich dabei auf das Lehrbuch „Die gute Hausfrau – wie bereite ich dem Mann das Heim?“ Ihre Expertise unter anderen mit gewetzten Messern mündete schließlich in die Frage: „Warum backen wir uns nicht den perfekten Mann?“ – was die Damenriege prompt in die Tat umsetzte.

Zwischendurch wurde noch eine Suppe geköchelt, kam es zu einem Zwiegespräch zwischen Kaffeebohne und Kaffeekanne, ein Kuchen bettelte um sein Leben und Anna rief vom Küchenzwang befreit mit ausgestreckten Armen: „Ich bin doch erst 70, da fängt das Leben erst an!“ Die Theatergruppe garnierte ihre Revue mit zahlreichen Schlagern, Gassenhauern und Liedern aus dem Berliner Milieu. Die Melodien waren allesamt bekannt, durch neue Texte bekamen sie jedoch ihren ganz eigenen Spin. Begleitet wurde das Ensemble dabei von dem dänischen Pianisten Henning Flintholm.

Die Spätzünder bestehen schon seit 1980. Sie gehören zum „Theater der Erfahrungen“, als eine von drei Gruppen. Sie spielen für alle Altersgruppen „in Theatern und auf Kleinkunstbühnen, in Seniorentreffs und Schulen, in Kirchen und Hinterhöfen“ in Deutschland und Europa. In Uslar waren sie jetzt bereits zum dritten Mal.

Der „Elder Statesman“ und Ehrenvorsitzende des Uslarer Literatur- und Kunstkreises, Justus Pahlow, überreichte an die Chefin des Ensembles, Eva Bittner, als Dankeschön 192 Merci-Riegel. Eva Bittner: „Der Justus macht es möglich, dass wir uns amüsieren.“ Das fand auch der Seniorchef des Gasthauses Johanning, Wilhelm Johanning, der die Aufführung in seiner Chefkochjacke von ganz hinten verfolgte: „Traumhaft schön!“

Möglich wurden die Aufführungen nur, weil die Volksbank Solling und die Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Raiffeisenbanken den Uslarer Kunstkreis und die Kulturinitiative Hardegsen als Veranstalter finanziell unterstützt haben, sagte Justus Pahlow. Denn Fahrt, Unterbringung, Transport des Bühnenbildes, elf Schuspielerinnen und Schauspieler, Pianist und Technik hätten sonst einen kräftigen Eintrittspreis bedeutet. So wurden die Besucher nur um eine Spende gebeten: Austritt statt Eintritt, wie es Pahlow nannte.

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 21. Juni 2022

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