Lesung über Verluste wird Gewinn

Veröffentlicht: Freitag, 16. September 2022 Geschrieben von Detlef Lang

Judith Schalansky las im Alten Rathaus – Musik-Duo mit Ex-Uslarerin

Lesung mit Judith Schalansky (v. l.) Almut Schlichting und Sven Hinze. FOTO: GUDRUN PORATH
Lesung mit Judith Schalansky (v. l.) Almut Schlichting und Sven Hinze. FOTO: GUDRUN PORATH

VON GUDRUN PORATH

Uslar – „Das wird ein schöner Abend“, freute sich Ralf Jasper als Vorsitzender des Literatur- und Kunstkreises Uslar, als er die 40 Zuhörer der Lesung mit Judith Schalansky und dem Duo Subsystem in der Rathaushalle begrüßte. Seine Einstimmung passte. Die Texte der mehrfach ausgezeichneten Autorin und die Musik des Duos mit der aus Uslar stammenden Musikerin Almut Schlichting und Sven Hinze ergänzten sich wunderbar.

„Schön“ ist deshalb eine passende Beschreibung, weil Judith Schalanskys Bücher schön gestaltet und geschrieben sind. „Während der Arbeit an diesem Buch verglühte die Raumsonde Cassini in der Atmosphäre des Saturn; zerschellte der Marslander Schiaparelli in der rostigen Gesteinslandschaft jenes Planeten, den er hätte untersuchen sollen“, las die Autorin, die 2014 erstmals in Uslar auftrat, aus den Vorbemerkungen in ihrem jüngsten Buch „Verzeichnis einiger Verluste“, eine Aneinanderreihung zufälliger Ereignisse eines Jahres. „Manchmal müssen Dinge verloren gehen, damit etwas Neues entstehen kann.

Im Grunde ist alles, kurz nachdem es geschaffen wurde, schon Müll“, sagt Schalansky und ergänzt angesichts des doch sehr morbiden Charmes der ersten Sätze aufmunternd: „Keine Angst, es wird besser.“ Weil das Buch als Gesamtkunstwerk nur schwer in einer Lesung zu erfassen ist, erläutert die 1980 in Greifswald geborene Schalansky, was die Zuhörer nicht sehen können. 16 Seiten ist jede Geschichte zwischen den schwarz-silbern glänzenden Buchdeckeln lang, inklusive einer komplett schwarzen Seite, die wie ein schwarzes Loch einen Verlust kennzeichnet und die Geschichten deutlich trennt.

Für die Schönheit der Lesung sorgten auch die Musiker mit ihren eigenen Stücken und als Untermalung. Da wird das Kratzen und Quietschen einer Tür nicht nur mit Worten beschrieben, da ist es nachzuhören. Selbst die lautlose Spannung in der Arena im beschriebenen Kampf zweier Raubkatzen wird mit der Musik noch deutlicher spürbar. Zu hören war Hochgenuss. Dafür gab es viel Applaus. zyp

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 16. September 2022

Zugriffe: 213