Von Grass über Walser bis Kirsch

Veröffentlicht: Mittwoch, 22. März 2017 Geschrieben von Detlef Lang

Literatur- und Kunstkreis Uslar feiert 30-jähriges Bestehen / Rückblick auf das rege Vereinsleben

Sie freuen sich über das 30-jährige Bestehen (von links): Vorsitzender Justus Pahlow, Schriftführerin Kristina Bäthe und Kassenwart Folkert Schlichting. Es fehlt der zweite Vorsitzende Ralf Jasper. Foto: Warnecke
Sie freuen sich über das 30-jährige Bestehen (von links): Vorsitzender Justus Pahlow, Schriftführerin Kristina Bäthe und Kassenwart Folkert Schlichting. Es fehlt der zweite Vorsitzende Ralf Jasper. Foto: Warnecke

USLAR ♦ Der Literatur- und Kunstkreis Uslar (LuK) feiert am 23. März ab 19 Uhr sein 30-jähriges Bestehen im Hotel Menzhausen. Was der Verein in diesen 30 Jahren für die Region auf die Beine gestellt hat, wollen Mitglieder und Vorstand noch einmal ins Gedächtnis rufen. Als besonderer Gast konnte Gitarrist Ulli Bögershausen gewonnen werden.

Im Gespräch mit HALLO blickt der Vorstand auf diese überaus erfolgreichen Jahre seit 1987 zurück. Der Vorsitzende Justus Pahlow, damals noch Schulleiter des Uslarer Gymnasiums, erinnert sich noch lebhaft daran und strahlt, wenn er an die Anfänge denkt. Der damalige Chefredakteur der Tageszeitung Peter Mützky habe ihn gefragt, ob das Gymnasium nicht etwas für Kunst und Kultur für den Uslarer Raum tun könne und sicherte die Unterstützung seiner Zeitung zu. So kam es zur ersten Zusammenkunft im „Kleinen Café“ am Forstgarten. Dabei konnten 25 Mitglieder gewonnen werden, von denen sich über die Hälfte zur Mitarbeit bereit erklärte. Den dann eingetragenen Verein führten als Vorstand Pahlow (Vorsitzender), Bettina Wolf (Stellvertreterin), Dagmar Pahlow (Schriftführerin) und Horst Seipp (Kassenführung). Um dem Verein beim Aufbau zu helfen, genehmigten die Stadt und der damalige Stadt - direktor Herbert Meistering 1987 die kostenfreie Überlassung von Räume und ab1990 einen jährlichen Zuschuss für eine Ausfallbürgschaft. Aktiv beteiligte sich auch der damalige Chef der Ferienregion Uslarer Land Theo Wegener, der heutige Geschäftsführer der Solling- Vogler-Region.

Die ersten Veranstaltungen des LuK waren Lesungen. Lächelnd erinnern sich Pahlow und Kassenwart Folkert Schlichting an eine Lesung von Walter Kempowski, bei der im evangelischen Gemeindesaal der Andrang von über 200 Menschen nur bewältigt werden konnte, indem sie bei offener Tür stattfand. Bei Robert Gernhardt mussten sogar 30 Personen nach Hause geschickt werden. Zu Lesungen kamen unter anderem Hilde Domin, Dr. Burckhard Garbe, Günter Grass, Martin Walser, Ernst Stakowsky, der Evelyn Hamann das Uslarer Publikum empfahl, Harry Rowohlt sowie die Preisträgerin des Georg- Büchner-Preises 1996 Sarah Kirsch.

Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf (rechts, mit Justus Pahlow) plauderte 2010 aus dem Alltag seiner Alten-WG.
Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf (rechts, mit Justus Pahlow) plauderte 2010 aus dem Alltag seiner Alten-WG.

Tradition sind die Kabarettaufführungen. Zweimal war das Deutsche Theater Göttingen zu Gast. Unvergessen sind Professor Lutz Arnolds Interpretationen. Inzwischen kommen viele Angebote von Kultur - trägern, die genau durch - gesehen werden. „Bei den Künstlern ist der LuK bekannt als Verein, bei dem sie gut aufgehoben sind“, freut sich der Vorstand. Für andauernd hohes Interesse an den Veranstaltungen brachte es ein Besucher auf den Punkt: „Ihr habt drei Jahrzehnte gebraucht, euch euren guten Ruf zu erarbeiten. Selbst wenn wir die Veranstaltung nicht kennen, können wir ruhig hingehen. Wir werden nie enttäuscht.“ Sorgsam bewahrt Pahlow „einen kleinen Schatz“, den Schriftverkehr mit den Künstlern.

Es kam die Zeit, wo die Aktiven des Vereins beschlossen, das Angebot auf Musik auszuweiten. Dank eines Kontakts zum Göttinger Symphonie Orchester wurde es für ein Konzert nach Uslar geholt. „Wir haben es geschafft, die für damalige Verhältnisse unglaublich hohe Summe aufzubringen“, berichtet Pahlow. Natürlich habe es immer Stimmen gegeben, die die Dauer des Vereins angezweifelt hätten, „aber wir sind weiterhin gut zu Fuß“. Dabei geholfen habe das vereinseigene Drei-Säulen- Modell: Mitgliedsbeiträge, gemäßigte Eintrittsgelder und Sponsoren.

Als weitere Pluspunkte für den Verein nennen Pahlow, Schlichting und Schriftführerin Kristina Bäthe eine kleine Rücklage und dass Vorstand und Beisitzer immer ein harmonisches Verhältnis hatten. In manchen Jahren sei nicht so viel gelaufen, doch die Mitgliederzahl sei über Jahre stabil bei über 200. Während Pahlow berufs - bedingt nicht vor Ort war, wurde der LuK mehrere Jahre von Helga Trubel beziehungsweise Brigitte Ax geleitet.

Das Programm wurde im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt. Eine wichtige Rolle spielten dabei Kooperationspartner, wie die Stadtbücherei, die Klosterkirche Lippoldsberg, der Uslarer Kulturbahnhof, das Gymnasium, die Grundschulen sowie die Kultur - initiative Hardegsen.

2000 gab es erstmals den Literaturpreis für junge Autoren, der alle zwei Jahre stattfand, zuletzt 2010 als deutsch-polnischer Preis. Die Geschichten von 2010 sind in einem zweisprachigen Buch nachzulesen, dessen Einband und Logo im Kunstunterricht des Gymnasiums entwickelt wurde. Maßgeblich beteiligt war bis 2008 der inzwischen verstorbene Harald Wetzold. Der Pastor i. R. und Schriftsteller engagierte sich als Beisitzer im LuK für das Projekt und entwickelte es immer weiter. Gewinner des Literaturpreises 2002 war der inzwischen bekannte Uwe Tellkamp, dessen Bestseller „Der Turm“ auch verfilmt wurde. 2008 erhielt er den Deutschen Buchpreis.

Weil der LuK ein Verein für alle Generationen sein möchte, werden auch Poetry Slams veranstaltet. „Mutter“ dieser Sparte ist Bäthe. Die Jazzfans Sabine und Fritz Trillhaas haben mit Jazzkünstlern schon für etliche Programm-Highlights gesorgt. Aber das pensionierte Lehrerehepaar hat darüber hinaus auch ein Faible für den Verpackungskünstler Christo. Aktuell sind in der Kreissparkasse in Uslar ihre Fotos des Christo-Projekts „The Floating Piers“ zu sehen. Besucht werden kann die Ausstellung noch bis 5. April zu den Öffnungszeiten der Bank.

Als Beisitzer engagieren sich beim LuK Irene Bronder, Dr. Donald Schramm, Dr. Jürgen Bäthe, Klaus Pfahler, Keti Haffner und Bernd Schmiedel. ♦ f

„Herzen in Terzen“ rissen das Publikum beim 20-jährigen Bestehen mit.
„Herzen in Terzen“ rissen das Publikum beim 20-jährigen Bestehen mit.

Quelle: hallo Northeim - Die lokale Wochenzeitung vom 22. März 2017

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