Kein Grund zum Jammern

Veröffentlicht: Mittwoch, 30. Januar 2013 Geschrieben von Detlef Lang

Abschieds-Gastspiel mit dem Kabarett-Ensemble Die Pawlowskis beim Literaturkreis

Kein Grund zum Jammern
Zum letzten Mal im Uslarer Land: Das Kabarett-Ensemble Pawlowskis. Foto: Bäthe/bk

USLAR. Abschied hat immer etwas Schmerzliches, aber am Freitagabend im Gasthaus Johanning in Eschershausen überwog beim Abschiedsprogramm der Pawlowskis ganz klar das "Scherzliche".

Das Göttinger Kabarett-Trio, Uschi Siemon und Vater und Sohn, Dr. Klaus und Peter Pawlowski, brachte einen politischen Themenquerschnitt der letzten zehn Jahre seiner Bühnenprogramme.

Zweimal waren sie auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises in Uslar. Da sich die politische Landschaft, außer durch den Austausch der Politikernamen und einiger Schlagworte in den Schlagzeilen der Medien, kaum grundlegend geändert hat, wirkte nichts davon überholt oder abgegriffen. Erschreckend wurde deutlich, wie wenig die Gesellschaft – und das sind wir ja wohl alle – gegen die bekannten Probleme der Menschheit ausrichten konnte.

Da kann die Bundeskanzlerin als "Märchenkönigin Angela" die Weiblichkeit der Märchenwelt zur Vermehrungsbereitschaft auffordern, um dem demographischen Wandel zu begegnen. Aschenputtel hängt nur in Schuhgeschäften rum, während Rotkäppchen mit dem Wolf ausschweifende Partys mit Rotwein und Kuchen feiert, nachdem beide dem Jäger den Mord an der Großmutter in die Schuhe schoben.

So kann natürlich die Problematik der überalterten Bevölkerung nicht wirklich gelöst werden. Daher ist eine rationalisierte "artgerechte Seniorenhaltung" die Konsequenz, die eindeutig Parallelen zur EU-reglementierten Landwirtschaft aufweist.

Die Frage nach der Menschenwürde durchzieht wie ein roter Faden das ganze Programm aus musikalischen Einlagen und spitzzüngigen Schauspielereien. Das Publikum im ausverkauften Saal ließ sich begeistert auf die Herausforderung zur humorvollen Selbstreflexion ein und entließ die Künstler mit brausendem Applaus erst nach drei Zugaben. (bk)

Hintergrund: Pawlowski machen nach 30 Jahren Schluss

Nach 30-jähriger Bühnenaktivität als Laienkünstler will das Pawlowski-Trio aufhören, denn der Spagat zwischen Beruf und Bühne werde zunehmend schwieriger, sagte Peter Pawlowski.

Sein Vater, Dr. Klaus Pawlowski, ist weiterhin vielfältig aktiv. Er bildet mit Peter Köhler und Reinhard Umbach das Dichtertrio "Die Drei von der taz-Stelle". Die Göttinger Wortkünstler und Reim-Akrobaten Peter Köhler, Klaus Pawlowski und Reinhard Umbach veröffentlichen ihre satirischen Texte regelmäßig in der Berliner Tageszeitung und gestalten Lesungen. (bk)

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 30. Januar 2013

Zugriffe: 280