Blicke über die Grenze

Veröffentlicht: Montag, 12. Juli 2010 Geschrieben von Detlef Lang

Großes Interesse an deutsch-polnischem Literaturpreis – Jury wählt Siegertexte aus

Blicke über die Grenze
Literaturpreis: Aus 70 Beiträgen suchte die Jury mit (von links) Ursula Rath-Wolf, Christa Erlemann, Bettina Wolf, Gabriele Herzog und Jürgen Moderegger die Siegertexte aus. Foto: Christel Reimer/nh

USLAR. Mit der Ausschreibung des fünften Uslarer Literaturpreises ist der Literatur- und Kunstkreis (LuK) auf unerwartet großes Interesse gestoßen. Denn das Thema "Deutsch-Polnische Grenzerfahrungen einer jungen Generation" interessiert nicht nur die angesprochenen jungen Autoren.

Von sich aus hätten sich mehrere Interessierte für die Schirmherrschaft gemeldet. Der Preis habe mit seiner Thematik in beiden Ländern besondere Beachtung gefunden, sagt der Luk-Vorsitzende Justus Pahlow. Auf deutscher Seite wird nun die ehemalige Bundestagspräsidentin, Dr. Rita Süssmuth, die auch Mitglied der deutsch-polnischen Gesellschaft Göttingen ist, Schirmherrin. Für die polnische Seite übernimmt diese Aufgabe der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Dr. Marek Prawda.

"Wir haben wieder Erwarten einen Knüller gelandet", freut sich Pahlow über die Resonanz. Die Fantasie beflügelte das Thema auch auf Seiten der Autoren, die maximal 35 Jahre alt sein dürfen.

Obwohl die Beiträge angesichts der vorgeschriebenen deutsch-polnischen Perspektive weniger international als in den Vorjahren ausfielen, flatterten allein der deutschen Jury 70 Texte auf den Tisch. Parallel zur fünfköpfigen deutschen Jury suchen Fachleute in Schlochau nach dem besten Text in polnischer Sprache. Für die beiden Siegertexte gibt es je 1000 Euro Preisgeld.

Preisträger bleibt geheim

Die deutsche Jury hat sich bereits entschieden. Nach lebhafter und engagierter Diskussion sei die Entscheidung einvernehmlich und einstimmig gefallen, sagt Jury-Mitglied Christa Erlemann.

Obwohl alle Details zu den preisgekrönten Texten und die Namen ihrer Verfasser bis zur Preisverleihung am 29. Oktober im Alten Rathaus von Uslar ein Geheimnis bleiben sollen, deutet die Jury schon einmal die Vielseitigkeit der "Grenzerfahrungen" an.

In den Texten spüre man das Bemühen der jungen Generation, die immer noch nicht ganz ausgeräumten Vorurteile in den Köpfen zu überwinden, was meistens, aber nicht immer gelinge. Es gebe nach wie vor zwischen Deutschen und Polen Trennendes, aber auch mehr und mehr Gemeinsamkeiten, sagt Pahlow. So handele zum Beispiel eine Geschichte von einer Bahnreise von Warschau nach Berlin, während der sich ein deutsch-polnisches Paar nahe kommt, um am Ziel zu merken, dass man doch nicht zueinander passe.

Blick in die Zukunft

"Das Trennende liege in der Vergangenheit, das Gemeinsame in der Gegenwart und Zukunft", interpretiert die Jury. Der Wunsch aufeinander zuzugehen und zum Beispiel durch Reisen und persönliche Kontakte einen neuen Anfang zu versuchen, werde in den Texten überdeutlich. (shx)

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 12. Juli 2010

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